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Warum ist das Titelthema von “MISSION IMPOSSIBLE” so beliebt und erfolgreich?

Jeder hat schon mal die Titelmusik der berühmten Filmreihe “Mission Impossible” mit Tom Cruise in der Hauptrolle gehört. Die älteren Generationen kennen das noch vom Fernsehen, die anderen aus dem Kino, aber auch im Radio und sogar in den Clubs wurde diese Titelmusik gespielt. Der argentinische Filmkomponist Lalo Schifrin (1932) ist bestimmt kein Unbekannter für Filmmusik-Afficionados, aber viele kennen die Entstehung dieser außerordentlichen Musik nicht mehr, über die ich heute schreibe. Vor allem stellte ich mir die Frage: Warum ist dieses Musikstück so einzigartig und mit einem solch hohen Wiedererkennungswert behaftet? 

Zuerst ein paar Infos: 1966 entstand im Auftrag von CBS Network die TV-Serie mit dem Titel “Mission Impossible”, die dann von Desilu Productions und Paramount Television produziert wurde. Die Serie war mit sieben Staffeln überaus erfolgreich, nicht zuletzt wegen der berühmten Musik, die Lalo Schifrin komponierte. Dreißig Jahre später, 1996, entsteht der erste von insgesamt fünf Sequels, die mit Tom Cruise in die Kinos kommen und ebenfalls mit derselben Titelmusik von Lalo Schifrin (mit Ausnahme des zweiten Teils, wo Hans Zimmer seine eigene Musik komplett komponierte). Und jetzt meine Frage: Warum ist diese Musik noch immer so populär und beliebt, über 50 Jahre später?

Meiner Meinung nach gibt es dafür zwei Gründe:

1. Die Struktur der Musik im 5/4 Takt:

            Während sich in der gesamten (westlichen) Welt die Musik im 4/4 oder 3/4 Takt als etwas Selbstverständliches und aus Gründen der “tanzbarkeit” wohl in unseren Ohren als etwas “normales” etablierte, entscheidet sich Schifrin für 5/4 Takt. Die Musik, die im 5/4 Takt, 7/8 sowie im 9/8 Takt gespielt wird, gehört eher zur traditionellen Musik der östlichen Hemisphäre. Man findet den Takt in der Musik am Balkan, Türkei, oft auch arabische Musik und am meisten und heute noch immer wird die indische Musik in ungeraden Takten gespielt. Der 5/4 Takt vermittelt keine Stabilität und Harmonie wie 4/4 oder 3/4 Takt, sondern wegen dieser ungewöhnlicher Teilung der fünf Schläge im Takt entstehen Spannung, Lebendigkeit, Geladenheit und der Wunsch, sich aus der Ungleichheit des ungewöhnlichen Rhythmus zu befreien. Das vermittelt übrigens auch das Thema des Films: Mission ist “impossible” – Der Protagonist bekommt die Aufgabe, etwas Ungewöhnliches, etwas Unmögliches, etwas Spannendes zu erledigen. Also: eine außerordentlich gut getroffene musikalische Ergänzung und ein besonderer Kommentar zum Filmthema. 

2. Transformation der Sprachen

            Als Inspiration benutzte Lalo Schifrin vier internationale Morsezeichen: zwei lange und zwei kurze Schläge, die für “M.I”. stehen (_ _ . .) und genau das Thema der Musik darstellen. Es entsteht eine interessante Verbindung hier: Eine Sprache wurde in eine andere Sprache umgewandelt. Etwas was als eine Konvention bereits besteht und unter Menschen verankert ist, hat er sich hier zunutze gemacht und damit eine neuen musikalischen Code geschaffen. 

Dass viele dieses Thema von Lalo Schifrin gecovert haben, ist nicht weiter verwunderlich. Dazu soll Lalo Schifrin gescherzt haben, dass nur Außerirdische mit fünf Beinen dazu tanzen können. Wahrscheinlich war das auch einer der Gründe, warum man im ersten Kinofilm 1996 das Thema in ein 4/4 Takt umgewandelt wurde. Die Besonderheit des 5/4 Takts ist gerade diese “Ungenauigkeit”, etwas was ständig “aus dem Rahmen fällt”. Ich habe mich dann noch gefragt wie viele Stücke kenne ich überhaupt, die im 5/4 Takt erklingen? Mir fällt gerade “Take Five” von Paul Desmond im Dave Brubeck Quartett ein, Sting wäre da noch ein Vertreter der ungeraden Taktarten und dann muss man schon etwas länger suchen, hier und da finden sich Stücke nur noch in der modernen Klassik und etwas öfter im Jazz.Zugegeben, als Musiker kann ich bestätigen, dass das Spielen im 5/4 Takt gewöhnungsbedürftig ist, und benötigt viel Übung. Aber wer sich traut, diesen ungewöhnlichen Weg zu gehen, der erntet offensichtlich sehr viel Erfolg. 

Lalo Schifrin, Mission Impossible